Das St. Florian-Prinzip – so aktuell wie eh und je

IMG_4576

Heiliger Sankt Florian / Verschon’ mein Haus / Zünd’ and’re an!

Siehe : https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Florian-Prinzip

Diesen Spruch gibt es schon sehr lange – ursprünglich eine Bitte um Schutz bezogen auf unkontrolliertes Feuer und dessen Auswirkungen – verknüpft mit einer spöttischen Note: wenn das Unangenehme  schon eintreffen muß – dann bitte soll´s  wen anders treffen.

Bei Unglücksfällen ist es verständlich, wenn sich Erleichterung breit macht, „davon gekommen“ zu sein.

In den letzten Jahrzehnten jedoch scheint mir, ist dieser Spruch zum Prinzip erhoben worden: es geht nicht mehr um Erleichterung, einem Unglück entkommen zu sein – es geht um eine klare Strategie, mit der negative Auswirkungen des eigenen Handelns gezielt so verlagert werden, daß eine ziemlich forsche bis dreiste Gewinn-Maximierung erreicht werden kann – und den Schaden tragen Andere. Man könnte auch sagen, die Devise lautet:  „nach mir/ uns  die Sündflut“   Und die Verfechter dieser Strategie kommen davon, wenn sie sich rechtzeitig davon machen – was die meisten ja auch tun.  Die Gesellschaft – wir – bleiben mit den Gesundheits- und Umweltunverträglichkeiten und den Kosten zurück.

Gewinn-Maximierung um jeden Preis – Wachstum um jeden Preis – auf dem Rücken der Arbeitenden und – global gesehen – der „billigeren Drittländer“, in denen u.a. die Sanierung der Folgen der Umweltsünden wiederum ein lukratives Folgegeschäft ist. Und wer bezahlt die Zeche?

  • in den sog. Drittländern zahlt die Bevölkerung mit Erkrankungen einerseits und sie zahlt die Folgekosten für Sanierungen, durch die sie in  noch tiefer Abhängigkeiten gerät
  • in Europa zahlen wir die Folgen  immer enger  gestellter „Stellschrauben“ für die Beschäftigten mit einem Verfall der Löhne, wenn unbezahlte Überstunden zur Regel werden, und mit einem Zerfall der Arbeitszufriedenheit mit weitreichenden Folgen.

Oft höre ich : „ich kann mich doch nicht krank melden – wir haben eine so dünne Personaldecke – das wäre unsozial den Kollegen gegenüber.

Oho – da funktioniert das St Florian-Prinzip also eher nicht!

Aber so:  nicht selten höre ich von Betroffenen, daß  in Firmen ganze Abteilungen, die nach diesem Prinzip „geführt“ werden, nach einiger Zeit kollabieren und etwa die Hälfte der Kollegen dann immer häufiger gesundheitlich bedingt ausfallen;  in der nächsten Stufe sind dann  längere Arbeitsunfähigkeitszeiten zu verzeichnen: keine Seltenheit, daß die Hälfte der Mitarbeitern ausfallen – über einen längeren Zeitraum  ( aufgrund von wiederholten Hörstürzen, zum Teil mit heftigem Tinnitus; Erschöpfungsdepression mit Reha-Notwendigkeit, u.v.m.) Wenig überraschend dabei ist wohl, daß es Mitarbeiter trifft, die noch „teurere“ Verträge haben. Da man ja weiß , wie man Menschen durch Entzug von Anerkennung, durch Entzug von Arbeitsgebieten,  die die Zufriedenheit stärken, durch indirekte Entwertungen o.ä. schwächen kann, ist der Rest ein Kinderspiel.  So erspart man sich teure Abfindungen – und den Schaden hat der Betroffene und die Solidargemeinschaft: denn schließlich  muß die Krankenkasse für die Betreffenden einspringen – und eventuell sogar letztlich die Rententräger.   Die Firmen können wieder „neues Fleisch“ einstellen – ausschließlich mit Zeitverträgen und zu noch unglaublicheren Bedingungen. Und die Betroffenen mit ihrer Erschöpfungsdepression sind auch noch gesellschaftlichem Spott ausgesetzt:  „ach ja, der/ die hat Burn-Out; ha ha ha – so ´ne Anstellerei! “ Daran haben sich vor einiger Zeit sogar  Kabarettisten beteiligt, die sich politisches Kabarett auf die Fahne schreiben und eigentlich den Finger auf die unschönen Seiten unseres Systems legen sollten – das erwarte ich jedenfalls )

Auf  das „Werk“ der Banken, die diesem Prinzip anhängen ( hat sich da wohl irgend etwas geändert inzwischen?) will ich jetzt nicht weiter eingehen.

Und wer mag, kann die Liste der Anhänger dieses Prinzips weiter vervollständigen.

Ganz aktuell ist da eine Sendung auf Arte sehenswert;  heute 04.04.2017 :  die WHO und ihre Verstrickungen, die zur  Verhinderungen von unabhängiger Forschung führen – damit bezüglich der  Klärung von Risiken einen Maulkorb  hat. Wie soll Opfern von Profit-Produkten ( z.B. Geschosse angereichert mit Uran ) Recht und Entschädigung zuteil werden?? Und die Gemeinschaft bezahlt die Folgen – auch die Sanierung der kontaminierten Erde.

Heiliger  St Florian… schlag doch mal zurück, wenn Du so mißbraucht wirst!

Generated by Rebloggen nein.jpg

One comment

  1. finbarsgift sagt:

    Bemerkenswert, was du schreibst, und so wahr!

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: