Wut und Verletzungen

Wut – / abgeschwächt auch Ärger – immer wieder  spielt dieses Gefühl in unserem Leben eine wichtige Rolle – oft zu unserem Leidwesen.  Wie gerne hätten wir es friedlich – aber…

Jedes Gefühl hat seine Berechtigung – ist uns- wie jedes Gefühl, das wir kennen, von der Natur mitgegeben. Es hat die Funktion, mehr Energie in uns zu mobilisieren-(nicht umsonst schießt uns das Blut ins Gesicht, es wird uns heiß und manchmal ballen wir die Fäuste) entweder, um etwas herzuholen, was wir zum Leben brauchen, etwas wegzustoßen, was uns schadet, oder um unsere Grenzen zu schützen- wenn die „normale Interaktion“ nicht zum Erfolg geführt hat. Das ist die eigentliche Funktion dieser Emotion.

Wenn wir die Möglichkeit haben, diese Energie sofort zu nutzen, hilft sie uns sowohl auf Belebtes, als auch Unbelebtes bezogen: wenn ich den  Verschlußdeckel meines Honigglases nicht öffnen kann, hilft oft eine Prise Wutenergie, um der Drehung die nötige Extraportion Kraft mitzugeben, um dann an den Honig zu kommen. Oder wenn mir beim Einkaufen jemand seinen Einkaufswagen unachtsam an die Fersen schubst, hilft mit ein “ eh- bitte Vorsicht“, um die Aufmerksamkeit des Anderen, der gerade wo ganz anders hinschaut, zu bekommen. Meist reicht das und ist überhaupt nicht spektakulär.

Nun kommen wir zum Thema:Verletzungen.

Jede Erfahrung von uns  Menschen schlägt sich nieder – vorrangig in einem speziellen Teil unseres Gehirns;  wenn wir akzeptiert und verstanden werden, gibt das ein positives Gefühl – was genau dort zur Manifestation  positiv getönter Erinnerungen  führt ( man hat nachgewiesen, daß sich diese Areale bei traumatisierten Menschen deutlich von nicht traumatisierten unterscheidet).  Erleben wir jedoch in frühen Jahren Überforderung durch Allein-gelassen- werden, Ablehnung, Abwertung oder gar Spott,  dann wächst neben der Angst vor Ausschluss auch viel  Enttäuschung – und jede Enttäuschung hat Wut im Gepäck- also die Kraft, die wir mobilisieren, um etwas zu verhindern, was uns nicht bekommt.

Wenn wir viel von solchen Erfahrungen machen – ohne die Möglichkeit, uns Rückhalt in einer Gruppe zu holen, in der wir uns angenommen und zugehörig fühlen –  dann gibt das schon Sprengstoff. Wut, die wir fühlen, aber unterdrücken müssen ist damit  nicht verschwunden- sie ist nur auf „Lauerstellung“ und je nach dem, welche psychischen Kanäle der Einzelnen nutzen kann, neigen Menschen dann zu Autoaggression – d.h. sie wenden die Wut gegen sich – oder sie gehen in die offene Aggression gegen Andere, wenn sie sich im Recht fühlen. Oft ist dann eine politische oder soziale Situation Anlass für  eine „Legitimation für Gewalt“.  Und dann ist es nicht mit: „eh, bitte Vorsicht“ getan – dann kommt auch die lang zurückgehaltene Wucht der angestauten Wut zum Ausbruch.

Der Vater eines RAF Mitglieds sagte einmal in einem Interview sinngemäß: er sei im Laufe der Zeit zu der Erkenntnis gekommen, daß sein Sohn sich in manch` wichtigen Situationen wohl sehr allein gelassen gefühlt haben mußte.

 

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