Umgang mit heftigen Gefühlen

Oft werden wir dazu verleidet, vor unsern eigenen Gefühlen  zu fliehen; in die „Ablenkung“,  in Drogen, in Aktionismus,  oder ins Denken ( = Grübeln)!  Warum – woher – wieso ich – will ich weg haben – oder so ähnlich. Vor allem heftige Gefühle ( um die wir uns meist schon eine Weile nicht gut gekümmert haben) wirken dann bedrohlich und wir bekommen Angst vor deren Heftigkeit – oder wir agieren sie irgendwann aus, wenn das Notventil Ablenkung nicht mehr reicht.

Östliche Weisheiten behandeln  diese Themen vorrangig und zu Recht: der Umgang mit Gefühlen ist der Schlüssel zu Frieden und Freude im Leben.

Hier ein Zitat von Thich Nhat Hanh, einem vietnamesischen Zen-Meister, aus seinem Buch „Frei sein, wo  immer Du bist“

„Die Kunst, einem Sturm standzuhalten

Wenn ein Sturm aufkommt, bleibt er eine Weile und verzieht sich dann wieder. Gefühle oder Emotionen verhalten sich ebenso; sie kommen und bleiben für eine gewisse Zeit- um dann wieder zu verschwinden. Ein Gefühl ist nichts weiter als ein Gefühl. Wir sterben nicht aufgrund eines Gefühls – wir sind viel, viel mehr als  nur ein Gefühl. Wenn ihr spürt, daß ein starkes Gefühl in Euch aufkommt, solltet ihr euch zunächst in eine stabile Sitzposition begeben oder euch hinlegen, was ebenfalls eine sehr stabile Position ist. Dann konzentriert ihr eure Aufmerksamkeit auf den Bauch. Euer Kopf ist jetzt einem Baumwipfel inmitten eines Sturms vergleichbar – hier solltet ihr besser nicht verweilen. Lenkt stattdessen eure Konzentration nach unten zum Stamm des Baumes, zu einem Bereich, wo ihr Stabilität und Sicherheit wahrnehmen könnt. Wenn ihr auf den Bauch konzentriert seid, solltet ihr eure Aufmerksamkeit auf den Bereich direkt unterhalb des Nabels lenken und beginnen, achtsam zu atmen. Während ihr tief ein – und ausatmet, seid des Hebens und Senkens eurer Bauchdecke gewahr. Nachdem ihr dies für zehn, fünfzehn oder zwanzig Minuten geübt habt, werdet ihr eine große Stärke in euch wahrnehmen können- die Stärke, einem Sturm standhalten zu können.“

Er empfiehlt dann noch, diese Übung nicht erst zu machen, wenn ein heftiges Gefühl auftaucht…    😉

Ich sag dazu immer: die Feuerwehr übt ja auch nicht erst im Ernstfall 🙂

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So sind auch heftige Gefühlsstürme „überstehbar“: Verzweiflung, Schuldgefühle, Wut, Haß, Trauer, Sehnsucht, Einsamkeit- ohne dagegen angehen zu müssen ( was nicht wirklich klappt) oder sie ausagieren zu müssen      (als wären wir die Sklaven unserer Gefühle).

Eine Bemerkung noch, entstanden aus einem Gespräch mit einer achtsamen Leserin: falls jemand bei der Übung Angst hat, der ganze Baum werde entwurzelt:  gehe mit Deiner Phantasie an einen Ort, an dem Bäume schon seit Jahrhunderten stehen – mit Stämmen und Wurzeln, die selbst Hurricans getrotzt haben ( z.B. Mammutbäume) – nimm´ einen davon!

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Wie viele junge Menschen könnten noch leben, wenn dieses Wissen Praxis wäre in unserer „Kultur“! Ich markiere diesen Begriff oft mit Anführungszeichen, weil ich finde, hinsichtlich des emotionalen Umgangs miteinander haben wir im Westen eher eine Un- Kultur. Man denke nur  an den Umgang mit Trauer; wie oft hören Trauernde:“ Nun ist ja schon soviel Zeit vergangen – nun muß ja mal gut sein“.  Oder den Umgang mit  Enttäuschung .

 

 

 

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